Grenzen überwinden- auf nach Frankreich

Der Besuch unserer Schüler aus der 11. Klasse in Beauvais

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Gruppenbild Paris, Foto: C. Jung, März 2026

Die Schülerinnen und Schüler des Kurses Französisch im erhöhten Anforderungsniveau und einige andere Schülerinnen und Schüler aus dem Jahrgang 11 haben vom 29.03. bis 04.04.2026 unsere französische Partnerschule, das Lycée Félix Faure in Beauvais in Begleitung von Frau Mohr und Frau Gorath besucht. Im Dezember waren die französischen Schülerinnen und Schüler bei uns in Weimar zu Besuch.

Ihre Erfahrungen und Eindrücke sind hier nachzulesen.

Am Montag kamen wir früh mit unseren Koffern am Lycée Félix Faure an. Auf dem Tagesplan stand heute eine Führung durch Beauvais mit Frau Jung und im Anschluss die Besichtigung der örtlichen Kathedrale. Doch zuvor wurden wir vom Schulleiter empfangen und von unseren Austauschpartnern durch die Schule geführt. Zur Besichtigung der Stadt gehörten die historischen und eindrucksvollen Fassaden alter Gebäude, die inmitten von Beauvais zu finden waren – viele Häuser waren mit Fliesen besetzt. Die Führung endete an der Kathedrale, die wir später noch besichtigen würden. Jetzt hieß es aber erst einmal: ab in die Kantine!
Am Nachmittag war als letzter Punkt der Tagesordnung die Besichtigung der Kathedrale angesetzt. Während der Führung erfuhren wir viel über die architektonischen und auch historischen Gegebenheiten der Kathedrale.
Mit vielen neuen Eindrücken und einem besseren Verständnis für die Stadt Beauvais ließen wir den Tag schließlich ausklingen.

Cinu Müller, Felix Dörfler und Moritz Göthe


Am Dienstag sind wir um acht Uhr morgens zusammen mit unseren französischen Austauschpartnern und der deutschen Gruppe in Beauvais losgefahren. Nach etwa anderthalb Stunden kamen wir in Beaumont an, wo wir eine Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs besuchten. Sie liegt in einem Gebiet, das Teil der Schlacht an der Somme von 1916 war. Diese Schlacht war eine der größten und verlustreichsten des Krieges – über eine Million Soldaten wurden verletzt oder getötet. Besonders beeindruckend war die Stelle, an der die sogenannte Hawthorn-Ridge-Mine explodierte. Die britischen Truppen hatten dort eine riesige Mine unter den deutschen Linien angelegt, die am ersten Tag der Schlacht gezündet wurde. Die Explosion war so stark, dass sie einen Krater von fast 20 Metern Tiefe hinterließ, den man heute noch sehen kann. Viele von uns waren überrascht, wie friedlich die Landschaft jetzt aussieht, obwohl dort einst so heftige Kämpfe stattfanden. Wir fuhren noch zum Denkmal von Thiepval. Dort sind alle Namen der Gefallenen eingraviert.
Nach dem Rundgang machten wir direkt an der Gedenkstätte ein Picknick.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Le Crotoy an die Küste. Dort spielten wir am Strand mehrere Teamspiele. Bei einem waren wir mit unseren Austauschpartnern an einem Fuß zusammengebunden, und ein Lehrer stellte sich weiter weg, stellte Fragen, und das Team, das zuerst bei ihm ankam und richtig antwortete, bekam einen Punkt. Das war ziemlich lustig und sorgte für viel Bewegung im Sand. Danach hatten wir noch Freizeit, um durch den Ort zu laufen. Le Crotoy war zu dieser Jahreszeit fast leer, wodurch die dunklen Wolken, der Wind und das Meer eine besondere Stimmung geschaffen haben – fast ein bisschen mystisch. Gegen 18 Uhr waren wir wieder zurück in Beauvais.

Jakob Krebs, Anton Laufer und Clemens Cramm

Am Mittwoch, dem vierten Tag unseres Austauschs, haben wir vormittags an unserem Projekt gearbeitet. Dieses haben wir bereits in Weimar begonnen. Dabei erstellten wir Plakate zum Thema Grenzen, die sich auf die verschiedensten Bereiche beziehen. Jedes Plakat entspricht einemThema/einen Ausflug den wir gemacht haben. Im Zeichen der deutsch-französischen Zusammenarbeit gibt es jedes Plakat einmal auf Deutsch und einmal auf Französisch. In Frankreich haben wir Plakate über den Ersten Weltkrieg, dem Schicksal eines Geflüchteteten, Paris zwischen Vorstellung und Realität und den Impressionismus gemacht. Ergänzt wurden diese Plakate von einem weiteren, welches alle Themen vereinte und die Ausstellung eröffnen sollte
Nach der Mittagspause in der Kantine des Lycée hatten wir Freizeit in Beauvais, während unsere Austauschpartner*innen im Unterricht waren.
Bevor wir dann den Rest des Tages unsere Plakate fast beendet haben, haben wir Masseh getroffen. Der 28-jährige ist vor 3,5 Jahren von Afghanistan nach Frankreich geflüchtet und hat ein wenig von sich und seiner Geschichte erzählt und unsere Fragen beantwortet. Nach der Machtübernahme der Taliban ist er mit seiner Familie über ein Visum nach Frankreich gekommen. Aktuell hat er eine Aufenthaltsgenehmigung für 10 Jahre. Sein Abschluss aber wird kaum anerkannt, weshalb er in Frankreich seinen Beruf als Rechnungsprüfer nicht ausüben kann. Im Mai wird er daher eine Ausbildung im wirtschaftlichen Sektor beginnen. In der Zwischenzeit hat er sich darauf fokussiert, Französisch zu lernen. Er hat ein DELF Niveau B1 und lernt für seine B2 Prüfung, um schlussendlich die französische Nationalität zu erhalten. Um 17:30 Uhr endete unser Schultag nach diesen spannenden Eindrücken.

Laura Luft, Elinor Habisreuther und Martha Jungrichter

Donnerstag, der vorletzte Tag unseres Austausches war wahrscheinlich der Höhepunkt der Woche. Als man nämlich im Voraus Paris auf dem Programm gelesen hatte, wurden die Augen groß. Ein „must“- Reiseziel! Man hat, wenn man einen berühmten Ort besucht, viele Vorstellungen und Erwartungen im Unterbewusstsein…Paris – Die Stadt der Liebe oder Paris als die „Modestadt" schlechthin sind unter anderem solche Klischees. Genau diese Situation -unsere Erwartungshaltung- ist das Thema des Ausfluges nach Paris. Wie entstehen diese Vorstellungen, kann man diese Grenze überwinden und wie verändern sich Vorstellungen, wenn man mit der Wahrheit konfrontiert wird?
Ein Bild hat sich auf jeden Fall nicht verändert: das, wenn alle morgens noch verschlafen und träumerisch am Bahnhof stehen und sich doch eigentlich nur ins Bett wünschen. 8:30 trafen wir uns vor dem Bahnhofsgebäude, verteilten die Essenspakete und stiegen in den Zug Richtung Paris, “Gare du Nord ein”. Tatsächlich bestand diese Zugfahrt nicht nur aus den verzweifelten Versuchen, etwas zu schlafen: uns wurde auch eine kleine Aufgabe erteilt. Wir sollten unsere Vorstellungen von Paris vor dem Besuch notieren. An der Gare du Nord angekommen, startete unser Trip mit dem Besuch des 18. Arrondissements. Wir marschierten durch belebte und auch verlassene Straßen. Im indischen sowie afrikanischen Viertel angekommen, wurden unsere Sinne regelrecht überflutet. Wir rochen alle möglichen Gewürze, sahen die buntesten Stoffe und hörten die belebtesten (sowie frischesten) Marktstände. Jedoch fielen uns allen auch die sozialen Brüche in diesem durchwachsenen Arrondissement auf: Armut koexistierte hier mit überschüssigem Reichtum und Luxus, welcher besonders in "Montmartre" zum Vorschein kam. An diesem Touristen-Spot war kein einziger Einheimischer zu finden, jedoch eine Menge Touristen (unter anderem wir). Der Ausblick glich den Erwartungen, mit der Ausnahme, dass sich jeder gewünscht hat, ein bisschen mehr Sonne zu sehen.
Vom "Montmartre" aus machten wir uns durch künstlerische Straßen auf dem Weg zur Metrostation, die uns zum “Jardin des Tuileries” führen sollte. Den Berg runter und uns zeigte sich ein anderes Gesicht von Paris: Häuser, die sich kaum jemand leisten könnte, breite Boulevards, durch Bäume gesäumte, glatte Alleen. Vor allem aber war es ruhig. Dies bediente eher das weit verbreitete Bild des glamourösen und reichen Paris. Doch auch dieses Viertel nahm ein Ende und wir traten wieder in eine neue Umgebung: die Pariser Vergnügungsmeile, vergleichsweise mit der Hamburger Reeperbahn genannt (in Hamburg mag es bloß einen Zacken schärfer sein). Unter den gesamten Nightlife Shops befand sich auch das durchaus bekannte “Moulin Rouge". Es war irgendwie kleiner als man es sich vorgestellt hat. Und das ist es wieder, Realität vs. Vorstellungen.
Wir drängten uns in die vollgestopfte Metro und ab ging es zum “Jardin des Tuileries". Das Flair des Fahrens mit der U-Bahn unterschied sich nicht wirklich von der Berliner-U-Bahn oder der Londoner Tube. Im 1. Arrondissement angekommen (auch als das historische Viertel bekannt) hatten wir ca. 3 Stunden Freizeit, bevor wir uns am “Musee d´Orsay” wieder treffen sollten. Die Mittagszeit sowie den frühen Nachmittag nutzen wir, um im “Jardin des Tuileries” unser Picknick zu uns zu nehmen. Dabei saßen wir auf den ikonischen grünen Stühlen und sahen den vielen Joggern beim Schwitzen zu. Viele strichen daraufhin durch die Straßen, bestaunten überteuerte (aber auch faszinierende) Läden und entspannten vor allem in Pariser Kaffees. Manche andere schauten beim Louvre und an der Seine vorbei. Leider ließ sich die Sonne immer nur kurz bzw. gar nicht blicken.
Nachdem wir uns alle wieder versammelt hatten, gingen wir ins Kunstmuseum "Orsay". Bei diesem Museum handelt es sich um genau jenes, welches man in fast jedem Liebesfilm als Kulisse eines romantischen Rendez-vous nutzt: ein riesiges Gebäude mit einem rund
geformten Dach und viel Lichteinfall durch verglaste Dach Wände und im Zentrum häufen sich die Skulpturen. An diesen marschierten wir zunächst einmal vorbei, da Frau Gorath uns eine Führung zur Kunstepoche des Impressionismus halten wollte und wie dessen Künstler Grenzen überschritten haben. Also gingen wir in die letzten Ausstellungsräume des Gebäudes. Anhand von Gemälden von Monet, wie den "Seerosen" oder Renoir, erklärte uns Frau Gorath die Grenzüberschreitungen. Im Anschluss hatten wir noch etwa 60 Minuten Zeit, auf eigene Faust die teilweise sehr bekannte Kunst im Museum zu erkunden. Zumindest einen Teil konnten wir bestaunen, weil diese Stunde eindeutig nicht ausgereicht hat, um alles gesehen zu haben. Gegen 17 Uhr verließen wir das Museum und nahmen ein letztes Mal die Metro zur “Gare du Nord". Gegen 20 Uhr waren wir erschöpft, aber voll mit neuen Eindrücken in Beauvais zurück. Dort verabschiedeten wir uns von den Lehrern und setzen uns zusammen, Deutsche und Franzosen, noch in ein Restaurant, um einen gemütlichen Abend zusammen zu verbringen.
Zu Beginn des Tages hatten wir uns als Ziel gesetzt, Vorstellungen von Paris zu widerlegen oder auch zu bestätigen. Ich hoffe, ich spreche für alle, wenn ich behaupte, dass Paris in aller Augen immer noch eine unfassbar eindrucksvolle Metropole geblieben ist, jedoch eine, die ihr ausschließlich glamouröses Antlitz verloren hat.

Frida Förster und Jil Langer

Freitag (letzter Tag) – Unterricht und eine Zusammenkunft mit den Schülern zweier Collèges. Am Freitag, dem letzten Tag unseres Austausches in Beauvais, durften wir für zwei Stunden am französischen Unterricht teilnehmen. Der Unterricht begann um 8.30 Uhr und unterschied sich in mehreren Punkten vom Schulalltag in Deutschland. Die Stunden dauern nicht wie gewohnt 45 Minuten, sondern jeweils 60 Minuten, was sehr ungewohnt für uns war. Wir wurden in kleine Gruppen eingeteilt und hatten die Möglichkeit, an verschiedenen Fächern, wie beispielsweise Chemie, Wirtschaft oder Geschichte teilzunehmen. So konnten wir unterschiedliche Eindrücke in dem französischen Schulalltag gewinnen und Unterricht aus anderen Perspektiven erleben. Nach einer kurzen Pause haben wir die verbleibende Zeit genutzt, und unsere Plakate zum Thema Grenzen fertig gestellt. Nach der ausgiebigen Mittagspause trafen wir Schüler, aus zwei Collèges in Beauvais, die im Alter von 13-14 Jahren sind, um ihnen, in kleinen Gruppen aus deutschen und französischen Schülern, unsere Plakate und unseren Austausch zu präsentieren und sie für die deutsche Sprache zu gewinnen. Zum Abschluss des Tages und des Austausches haben wir die gemeinsamen Erlebnisse ausgewertet und ein gemeinsames Kaffeetrinken veranstaltet. Gegen 17.30 Uhr haben wir uns voneinander verabschiedet.

Rieke Hinnendahl und Gesine Stark

veröffentlicht von J. Gläser-Stark am 24.04.2026, 15:04