Für Europa, gegen das Vergessen

Zeitzeuge Salmoni spricht mit Humboldt-Gymnasiasten

Salmoni, Foto: Jannik Sauer (10A); 11.04.2019

 Am 11. April 2019, dem 74. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds, durften wir Herrn
Gilberto Salmoni, einen freundlichen Italiener und ehemaligen Häftling des KZ
Buchenwald, am Humboldt-Gymnasium begrüßen. Es ist eigentlich nicht leicht, die
uneingeschränkte Aufmerksamkeit einer Gruppe Jugendlicher aus den Klassen 9-11
zu bekommen, doch Herrn Salmonis Lebensgeschichte zog alle in ihren Bann.
Als er sechzehn Jahre alt war, wurde er gemeinsam mit seinem Bruder aus Italien
nach Buchenwald gebracht. Zuvor hatte er noch nie etwas davon gehört, denn in
Italien waren nur die Namen der größeren Lager, wie etwa Auschwitz, bekannt und
gefürchtet.
Er erzählte von seiner Ankunft in Buchenwald, als ihm seine Häftlingsnummer
gegeben wurde. Diese hatte allerdings schon mehrere verstorbene Vorbesitzer. Er
bekam ein rotes Dreieck mit dem Buchstaben ´I´ für seine Kleidung, welches ihn als
Italiener kennzeichnete. Im KZ verbrachte er zunächst mehrere Tage in Quarantäne
und sah mit an, wie die Bomben auf die Gustloff-Werke fielen. Er berichtete von der
„Angst vor der Laus“ während einer Typhusepidemie im Lager und von einer
unerwarteten Freundschaft mit ein paar Franzosen.
Seinem Bruder gelang es, im geheimen Lagerkomitee etwas Halt zu finden, und so
wurden den beiden Brüdern neue Möglichkeiten geboten, die ihnen vermutlich das
Leben retteten. Herr Salmoni arbeitete nun fast zwölf Stunden am Tag in der Küche
und hatte somit einen großen Vorteil gegenüber den anderen Häftlingen, die sich bei
schwerer körperlicher Arbeit im Freien zu Tode schufteten. Er erzählte von den
harten disziplinarischen Maßnahmen und üblen Launen der SS-Männer, von
bösartigen Spitznamen und von der immer währenden Angst vor einem neuen
unbekannten Schrecken. Schließlich gelang Herrn Salmoni und seinem Bruder nach
der Befreiung des Lagers die Rückkehr in die Heimat Italien. Auf die Frage, wie er es
geschafft hatte zu überleben, antwortete er: „Ich hatte den Willen.“
Es war unglaublich interessant und ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Herr Salmoni kehrte zurück, um seine Geschichte mit den nächsten Generationen zu
teilen und seine Erfahrungen weiterzugeben. Niemals dürfe man den einzelnen
Menschen aus dem Blick verlieren, niemals vergessen, wie gefährlich Krieg ist.
Deswegen sei Europa so wichtig. Er hielt seinen Zuhörern eindrücklich vor Augen,
dass so etwas auf gar keinen Fall noch einmal passieren darf!

Elisabeth Geib, 10A

veröffentlicht von Annett Kircheis am 12.05.2019

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