Deutsch-Polnische Begegnung

Im Rahmen eines Geschichtsprojektes mit deutschen und polnischen Jugendlichen haben sich 10 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Humboldt-Gymnasiums und 10 Schülerinnen und Schüler eines polnischen Gymnasiums aus Krakau mit dem Thema „Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung von Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung während der NS-Zeit“ beschäftigt.

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 Während dieses Projektes haben wir uns unter anderem mit den Aktionen „T4“ und „14f13“ sowie mit der Geschichte der Dr. J. Babinski Fachklinik in Kobierzyn auseinandergesetzt, um nur einen kleinen Teil zu nennen.
In zwei Begegnungen erarbeiteten wir eine deutsch-polnische Ausstellung zum Thema „Euthanasie im Nationalsozialismus“. Die erste Begegnung fand im Zeitraum vom 06.09-12.09.2015 in Buchenwald und Weimar statt. Sie diente vor allem dem ersten Kennenlernen, der Einführung in das Thema „Euthanasie“ sowie der Annäherung an die Geschichte der Gedenkstätte Buchenwalds.
Eine besondere Ehre stelle für uns das Treffen mit Tadeusz Kowalski, einem ehemaligen Lagerhäftling des Konzentrationslagers Buchenwald, dar. Als Zeitzeuge konnte er uns sehr gut unterstützen und trug wesentlich zu unserer Wissenserweiterung bei. Gemeinsam mit ihm fuhren wir nach Pirna-Sonnenstein, einer ehemaligen „Euthanasie Anstalt“. Hier wurden geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen mit Gas ermordet.
Nachdem wir die ersten Tage gemeinsam in der Jugendbegegnungsstätte Buchenwald übernachteten, nahmen wir unsere polnischen Gäste an den verbleibenden Tagen in unseren Familien auf. Am letzten Abend in Weimar waren wir gemeinsam essen und anschließend bowlen.
Die Zweite Begegnung fand ein knappes halbes Jahr später, im Zeitraum vom 09.05-15.05.2016, in Krakau statt. Frau Leonhardt, eine Geschichtslehrerin unseres Gymnasiums und Jan Malecha, Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald, begleiteten uns auf unserer Reise.
Während der zweiten Begegnung befassten wir uns nunmehr verstärkt mit der Erarbeitung der Ausstellung sowie mit der Geschichte des Ortes Kobierzyn. Auf dem Gelände der Fachklinik führte uns ein Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit durch die Anlage, welche auch heute noch als Anstalt für Menschen mit psychischen Erkrankungen genutzt wird. Zudem informierte er uns in einem Gespräch über die gegenwärtige Situation der Menschen und deren Therapiemöglichkeiten.
2 Tage arbeiteten wir vor Ort an unserer Ausstellung. Außerdem restaurierten wir in Kleingruppen eine Gedenktafel für Patienten, welche während der Zeit der deutschen Besetzung ermordet wurden.
Ein weiteres, sehr emotionales Erlebnis stellte der Besuch des Konzentrationslagers Ausschwitz 1, Stammlager und 2, Birkenau, das wohl bekannteste Vernichtungslager der Kriegszeit, dar.
Eine kleine Gruppe interessierter Schülerinnen hat sich zudem das ehemalige Konzentrationslager Plaszow in Krakau angesehen. Vorab besuchten wir das Museum in der ehemaligen Schindler-Fabrik, bekannt aus dem Film „Schindlers Liste“.
In Krakau haben wir drei Nächte gemeinsam mit den polnischen Teilnehmern in einem Hostel nahe der Weichsel übernachtet, bevor wir zu deren Familien zogen und so den Familienalltag kennenlernen durften.
Von den polnischen Gastgebern wurden wir an unserem letzten Tag durch die Altstadt Krakaus geführt. Dort haben sie unser geschichtliches Wissen auf die Probe gestellt. Der letzte Tag war, wie alle anderen auch, sehr spannend und informativ, denn wir besuchen ein Salzbergwerk und verbrachten hier unseren letzten gemeinsamen Abend.
Im Namen aller Teilnehmer bedanken wir uns ganz herzlich bei unseren Betreuern auf deutscher und polnischer Seite für eine lehrreiche und schöne Zeit in Weimar und Krakau, welche sicherlich nicht in Vergessenheit geraten wird.

Franziska Mendler und Stefanie Wötzel, Kurs 11

veröffentlicht von Annett Kircheis am 31.05.2016