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Meine Reise mit dem Olympischen Jugendlager

veröffentlicht am 14.10.2016 von Annett Kircheis
in Rubrik(en) Neuigkeiten

Vor zwei Wochen erlosch die Flamme der Paraolympischen Sommerspiele und auch ich kann langsam realisieren, was ich mit dem Olympischen Jugendlager erleben durfte.

Vom 4.-20. August flog ich mit 49 anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland nach Rio de Janeiro. Wenn man „Rio“ hört, denkt man an Copacabana, Lebensfreude, den prunkvollen Karneval, aber auch an Favelas, die große Verschmutzung und die soziale Ungerechtigkeit. So unterschiedlich wie diese Vorstellungen sind, ist auch die Realität. Ich lebte im Stadtteil Botafogo in der deutschen Schule. Diese hatte einen eigenen Sicherheitsdienst, eine Turnhalle und einen großen Sportplatz, ebenso gab es genügend Wasserspender und alles war sehr modern. Doch schaute man den Berg nach oben, konnte man die Favela „Santa Marta“ sehen. Jeden Tag hörte man Schüsse. Des Weiteren war am Rande der Favela ein kleiner Stand, dort konnte man sich Karten für eine Führung durch die Favela kaufen. Ich finde es einerseits eine gute Sache, da Leute sich selber einen Blick über die Situation dort verschaffen können. Aber dennoch ist es doch extrem komisch, sich das Heim einer Person anzuschauen, die man überhaupt nicht kennt. Ebenso finde ich es sehr krass, dass arm und reich so nah beieinander wohnen.
Wir unterhielten uns mit vielen Einheimischen darüber, wie sie es finden, dass die Olympischen Spiele in ihrer Heimat ausgetragen werden. Zu meiner Überraschung antworteten fast alle, dass es eine Chance für ihr Land sei, sich zu präsentieren und zu modernisieren. Sie sagten ebenso, dass bei der Vergabe im Jahre 2009 ihr Land aufstrebend war und sie sich alles etwas leichter vorgestellt hätten. Wie man der Presse entnehmen konnte, waren die Fahrtwege lang und das kann ich nur bestätigen. Aber was erwartet man von einer Stadt mit knapp 11 Mio. Einwohner und einer Fläche von knapp 6500 km2 (Metropolregion; zum Vergleich: Berlin hat eine Fläche von rund 890km2)? Folgende Wettkampforte konnte ich kennenlernen: die Barra Zone, die Deodoro Zone und die Copacabana Zone. Die Eingangskontrollen in Deodoro waren nicht mal ansatzweise so streng wie im Barra Olympic Parc. Das kann auch daran liegen, dass die Besucherzahlen dort sehr gering waren, da dort eher weniger gefragten Sportarten wie Rugby, moderner Fünfkampf oder Hockey stattfanden. Der Barra Olympic Parc war der Ort, wo die meisten Wettkämpfe ausgetragen wurden, wie Tennis, Schwimmen oder die Turnwettbewerbe. Man muss sagen, dass alle Helfer unglaublich freundlich waren und immer gute Stimmung verbreiteten. Auch an der Sauberkeit war nichts auszusetzen. Leider war das Wasser in den Wasserspender nicht sonderlich gut, es war gechlort und daher eigentlich nicht zum Trinken geeignet. Dafür waren die Preise für eine Wasserflasche mit 8 Real (knapp 2 Euro) total angemessen. Allgemein waren die Spiele sehr gut organisiert und man konnte die Wettkampfstätten gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Jedoch wurde meiner Meinung nach das Olympische Dorf falsch platziert, denn ein Sportler erzählte, dass man von dort ewig zu den Wettkampfstätten brauchte und auch sonst war es schwer, von dort aus zu den Sehenswürdigkeiten oder in die Innenstadt zu gelangen.
Sehenswürdigkeiten sind ein gutes Stichwort, ich besuchte z.B. den Zuckerhut, die Christusstatue und die Copacabana. Alles war unglaublich beeindruckend. Der Weg zum Zuckerhut war von Bäumen gesäumt und man konnte viele Affen sehen. Geländer, Gefahrenschilder oder Absperrungen waren nicht zu finden. Bei diesem steilen Weg hätte ich mir gerne unsere europäischen Sicherheitsstandards gewünscht, aber die Aussicht von dort entschädigte für alles. Dann ging es noch zum Christo, die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit Brasiliens und ich muss sagen, es ist echt unglaublich, davor zu stehen. Erstens hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und zweitens ist eine 45m hohe Statue auf einem rund 700m hohen Berg etwas Einzigartiges. Aber auch die Copacabana erfüllte alle Wünsche, ein wunderschöner Sandstrand, an jeder Ecke frische Kokosnüsse und viele Gelegenheiten, Volleyball oder Fußball zu spielen.
Neben dem Besuch der Wettkämpfe und Sehenswürdigkeiten besuchten wir auch soziale Projekte. Ich war bei einem Zirkusprojekt, dort können Kinder zusammen spielen. Dort lernen sie vor allem, dass man sich gegenseitig unterstützen soll und erlernen Spaß an Bewegung. Es war einfach wunderbar, mit ihnen zusammen zu spielen und zu turnen, denn das Lachen der Kinder war so herzerwärmend. Man wusste, dass die Kinder nicht viel haben, dennoch sind sie glücklich und machen sich keine Gedanken darüber, was wäre, wenn sie mehr Geld hätten oder woanders leben würden. Ich denke, man konnte viel von diesen Mädchen und Jungen lernen. Wir waren sehr traurig, als wir sie nach 4 Stunden wieder verlassen mussten.
Alles in allem war es eine super Reise und ich habe wertvolle Erlebnisse mit nach Deutschland genommen. Die brasilianische Kultur ist faszinierend und vielleicht sollten wir uns etwas von der fröhlichen und hilfsbereiten Art der Brasilianer abschauen. Wenn ihr jetzt noch weitere Fragen habt, könnt ihr mich einfach in der Schule ansprechen.

Madeleine Schröter, 11K4

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