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„Todesfälle [wurden] billigend in Kauf genommen"

veröffentlicht am 28.06.2015 von Annett Kircheis
in Rubrik(en) Fachbereich Französisch

Prof. Dr. Fritz Wagner, ehemaliger Inhaftierter des Speziallagers Buchenwald, erinnert mit diesem Satz an die Zeit zwischen 1945 und 1950.

Blumen als Dank für Prof. Dr. Fritz Wagner

Blumen als Dank für Prof. Dr. Fritz Wagner

Nach Ende des zweiten Weltkriegs entstanden in der sowjetischen Besatzungszone mehrere Lager, in denen hauptsächlich Funktionäre der nationalsozialistischen Partei (NSDAP) sowie tausende Jugendliche und Denunzierte interniert wurden.

Vergangenen Freitag besuchten wir, einige Schüler der Klassenstufe 11, gemeinsam mit unserem Geschichte-bilingual Lehrer Herrn Sauer, die Begegnungsstätte Buchenwald. Unser Projekttag fand im Rahmen des 70-jährigen Gedenkens an die Einrichtung des sog. Speziallagers Nr. 2 statt.

Nach den einleitenden Worten von Frau Dr. Landau, stellvertretend für die Gedenkstätte Buchenwald, hatten wir das große Glück an einem Zeitzeugengespräch teilnehmen zu dürfen. Prof. Dr. Fritz Wagner war mit seiner Frau aus Erfurt angereist, um uns seine Geschichte zu erzählen. Im September 1945 wird er von zwei Offizieren der russischen Geheimpolizei in seiner Heimatstadt Rudolstadt verhaftet. Es folgt eine sechsmonatige Haft im Gefängnis in Saalfeld. Er selbst beschrieb dieses halbe Jahr als das Schlimmste seines Lebens. Fritz Wagner, damals gerade mal 16 Jahre alt, wird zu Unrecht angeklagt, ein „Werwolf“ zu sein. Nach Wochen physischer und psychischer Gewalt, unterschreibt er die ihm vorgelegten Unterlagen mit der Absicht der Haft in Saalfeld endlich zu entkommen. Am 11. Juni 1946 wird er daraufhin nach Buchenwald transportiert. Zwischen 1945 und 1950 wurden dort insgesamt 28.500 Menschen inhaftiert. Ungefähr jeder Vierte von ihnen starb aufgrund der schweren Lebensbedingungen im Lager. 1948 wird Fritz Wagner, mit dem Verbot über die Umstände seiner Inhaftierung zu sprechen, entlassen. Nach Jahren der Verdrängung entschließt er sich erst im Jahr 2000 mit seinem Schicksal an die Öffentlichkeit zu gehen.

Immer wieder betonte er während des Gesprächs seinen Wunsch zur Aufarbeitung der Geschichte der sowjetischen Speziallager. Uns Schülern wurde dabei erst bewusst, welche Verantwortung wir alle tragen – wir sind Teil der Generationen, die dafür verantwortlich sind, dass das Geschehene weitererzählt wird und somit nicht in Vergessenheit gerät. Ich hoffe, dass uns dieses besondere Gespräch noch lange im Gedächtnis bleibt.

Nach dem Zeitzeugengespräch begann der eigentliche Besuch der Gedenkstätte. Gemeinsam mit dem pädagogischen Mitarbeiter Jan Malecha besichtigten wir den noch sehr gut erhaltenen Wachturm sowie den Waldfriedhof. Im Anschluss statteten wir der Dauerausstellung zum Speziallager einen kurzen Besuch ab. Nach den Informationen, die wir bereits über den Tag aufgenommen hatten, war es bewegend noch mal alles zusammengefasst über die Lebensbedingungen und den Aufbau des Speziallagers zu erfahren.

Zum Abschluss möchten wir uns nochmal herzlichst bei der Gedenkstätte Buchenwald und Prof. Dr. Fritz Wagner für diesen interessanten und im Gedächtnis bleibenden Besuch bedanken. An solchen Tagen erkennt man als Schüler den Unterschied zwischen Geschichte lernen und Geschichte erleben.

Kassandra Thönes, Kl.11

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